WOHN(T)RAUM · GELDGESCHICHTE · FORSCHUNGSPROJEKT

Die Mefo-Wechsel: Geldkreislauf aus dem Nichts?

Ein Forschungsprojekt von Wohn(T)Raum – Forschungs- und Bildungsinstitut für WohnKultur und LebensRaum.

Wir untersuchen, wie die Mefo-Wechsel die nationalsozialistische Aufrüstung finanzierten: Wer gab das Zahlungsversprechen, wer erhielt das Geld und wer trug die Verpflichtungen?

Titelbild: Sitzung der Transferkommission in der Reichsbank, 1934. Bundesarchiv, Bild 183-H29131 / CC BY-SA 3.0 DE; Bildquelle. Für das Titelbild als Ausschnitt mit einer dunklen Überlagerung dargestellt. Die Aufnahme zeigt den damaligen institutionellen Kontext, keine Mefo-Vertragsunterzeichnung.

Unser Forschungsprojekt: Geld, Arbeit und Verantwortung

Hinter den Mefo-Wechseln stand tatsächlich eine Tarnfirma: die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH. Sie nahm die Wechsel an, während das Deutsche Reich ihre Einlösung garantierte. Rüstungsbetriebe konnten die Papiere halten oder über Banken zu Geld machen. Hjalmar Schacht war maßgeblich an dieser Konstruktion beteiligt. [1: Aussage Emil Puhls] [2: Reichsfinanzierungsrichtlinien von 1938]

Unsere Forschung verfolgt den Weg vom Zahlungsversprechen zur tatsächlichen Finanzierung. Das Video eröffnet den Zugang zum Thema; die verlinkten Akten ermöglichen eine eigene Prüfung. Zusätzliche Kreditansprüche ersetzten weder die Arbeit der Menschen noch Rohstoffe und Energie. Diese realen Grundlagen bleiben der Maßstab unserer Untersuchung.

Schachts Rolle bei der Währungsstabilisierung von 1923 und seine Mitwirkung an der Aufrüstungsfinanzierung ab 1934 gehören zu unterschiedlichen historischen Vorgängen. Seine eigene Darstellung von 1927 ist als zeitgenössische Beteiligtenperspektive verlinkt. [6: Schacht zur Stabilisierung der Mark]

Wie wird aus einem Versprechen Finanzierung?

Ein Wechsel ist ein schriftliches Zahlungsversprechen mit einer Fälligkeit. Wer ihn besitzt, kann unter vereinbarten Bedingungen später Geld verlangen oder ihn vorher an eine Bank verkaufen. So lässt sich eine Lieferung finanzieren, obwohl der Auftraggeber sie nicht sofort aus laufenden Einnahmen bezahlt.

Die Mefo-Wechsel zeigen, wie das NS-Regime solche Finanzierungsregeln zur verdeckten Aufrüstung nutzte. „Aus dem Nichts“ beschreibt dabei die Schaffung zusätzlicher Kreditansprüche. Die dafür eingesetzte Arbeit, Energie und Rohstoffe mussten tatsächlich vorhanden sein.

Video zum Forschungsprojekt

Wie finanzierte Hitler die Aufrüstung, obwohl Deutschland pleite war? · Laufzeit: 14 Minuten 39 Sekunden.

Ursprüngliches Video auf YouTube öffnen

Forschungsprojekt Österreich: Zahlungsflüsse, Staatsausgaben und BargeldschutzTransaktionsabgabe
Symbolbild zu Zahlungsflüssen und staatlicher Finanzierung

Ein Rüstungskreislauf außerhalb des sichtbaren Haushalts

Ab 1934 nutzte das nationalsozialistische Regime unter maßgeblicher Mitwirkung Hjalmar Schachts die Mefo-Wechsel für die Aufrüstung. Rüstungsunternehmen stellten Wechsel auf die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH aus. Diese eigens eingeschaltete Gesellschaft nahm die Wechsel an; das Reich garantierte ihre Einlösung. [1]

Die Lieferanten konnten die Papiere halten oder über Banken zu Geld machen. Die Möglichkeit der Refinanzierung bei der Reichsbank stützte das Verfahren. Eine allgemeine gesetzliche Pflicht aller Bürger und Betriebe, Mefo-Wechsel wie Bargeld anzunehmen, ist damit nicht belegt.

Die Konstruktion verschleierte staatliche Kreditaufnahme hinter einer Unternehmenshülle. Im März 1938 erreichte das Mefo-Volumen etwa zwölf Milliarden Reichsmark. [2]

Die Bevölkerung als wirtschaftliches Fundament

Die rechtliche Absicherung bestand in der Bürgschaft des Reichs. Daraus folgte keine persönliche Bürgschaft jedes einzelnen Menschen. Wenn wir von einer „staatlichen Verpfändung des Volkes“ sprechen, meinen wir die wirtschaftliche Belastung: Staatliche Schulden beanspruchen künftige Einnahmen und damit auch künftig erarbeitete Werte.

Ein Aktenvermerk vom Januar 1938 hält fest, dass Rüstungslieferanten für das spätere Einlösen der Mefo-Wechsel einen finanziellen Ausgleich erhielten. Die Finanzierung beruhte also auf Zahlungsansprüchen und staatlicher Absicherung. [3]

Dahinter stand reale Produktion. Arbeitszeit, Maschinen, Rohstoffe und Energie wurden für Rüstung eingesetzt. Diese Leistung stand der zivilen Versorgung nicht zugleich zur Verfügung. Unser Forschungsinteresse gilt dieser Lenkung menschlicher Lebensleistung.

Sitzung der Transferkommission in der Reichsbank 1934 mit Hjalmar Schacht und weiteren Teilnehmern. Bundesarchiv, Bild 183-H29131, CC BY-SA 3.0 DE.
Historische Aufnahme von 1934: Bundesarchiv, Bild 183-H29131 / CC BY-SA 3.0 DE · Quelle. Unbeschnitten dargestellt.
kooperationen - menschen arbeiten gemeinsam an projekten fuer wohnen, lebensraum und gemeinschaft
Symbolbild: Menschen arbeiten an gemeinsamen Aufgaben

Preislenkung und die Abschöpfung von Kaufkraft

Das NS-Regime kontrollierte Preise und Löhne zunehmend. Im Herbst 1936 wurde ein allgemeiner Preisstopp eingeführt. Ein staatlich festgehaltener Preis beseitigt jedoch weder einen Mangel an Gütern noch die Beanspruchung von Arbeitskraft durch Rüstung. [4]

Die geheimen Finanzierungsrichtlinien vom März 1938 forderten, große Einrichtungen des Kreditwesens weiter in die Reichsfinanzierung einzuspannen. Sie nannten zugleich die Gefahr zusätzlicher Geldvermehrung, wenn zu viele Mefo-Wechsel bei der Reichsbank eingelöst würden. [2]

Das spätere Kriegssparen und die Einschränkungen des Konsums gehören in eine weitere Phase der Kriegswirtschaft. Die geprüften Belege rechtfertigen keine pauschale Aussage, bereits ab 1934 hätten alle Menschen ihre Löhne auf besondere staatliche Zwangssparkonten einzahlen müssen.

Warum der Kreislauf nicht unbegrenzt tragfähig war

Neue Zahlungsversprechen vermehrten nicht automatisch das verfügbare Material und die Produktionskapazität. In seiner Aussage von 1945 beschrieb Reichsbankdirektor Emil Puhl die Sorge, dass bei ausgelasteter Wirtschaft weitere Kreditexpansion nicht mehr entsprechend zusätzliche Produktion hervorbringen würde. [5]

Die im März 1938 festgelegte Umstellung sah eine Finanzierung über Haushalt sowie Geld- und Kapitalmarkt vor. Für ab 1939 fällige Mefo-Wechsel wurden Haushalts- oder Anleihemittel zur Tilgung verlangt. Die Verpflichtungen verschwanden durch das Ende der Neuausgabe nicht. [2]

Für unsere Forschung ist entscheidend: Finanzielle Ansprüche und reale Lebensgrundlagen müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein Kreislauf braucht nachvollziehbare Regeln, verfügbare Güter und eine offene Darstellung seiner Belastungen.

natuerliche baustoffe - bauen mit holz, lehm, stroh und mineralischen materialien
Symbolbild: natürliche Materialien und ziviler Lebensraum

Unsere Schlussfolgerung: Die Menschen bleiben der Maßstab

„Geld darf niemals als Waffe zur Verhaltenskontrolle missbraucht werden!“

Dieser Vereinsgrundsatz ist unsere Schlussfolgerung aus der Untersuchung. Wir fragen, wie öffentliche Finanzierung transparent gestaltet werden kann, damit sie dem friedlichen Alltag und der Selbstbestimmung der Menschen dient.

Unser Forschungsansatz rechnet in Euro und untersucht einen Gemeinschaftsrückfluss von zehn Prozent auf die festgelegten regulären Zahlungsströme sowie ein zusätzliches bedingungsloses Grundeinkommen. Gemeinsame Aufgaben und persönliche Versorgung sollen in einer überprüfbaren Rechnung zusammengeführt werden.

Die automatische Auszahlung und ein wirksamer Pfändungsschutz sind Gestaltungsziele. Ihre rechtliche Ausgestaltung und die Finanzierung müssen gesondert geprüft werden; diese Forschungsseite begründet keine Auszahlung und keinen gesetzlichen Pfändungsschutz.

Das Ziel ist ein Kreislauf, in dem die Bevölkerung als Trägerin der wirtschaftlichen Leistung auch an deren Ertrag teilhat. Historische Befunde, heutige Modellannahmen und unser gesellschaftliches Ziel werden dabei getrennt ausgewiesen.

Quellen und Einordnung

  1. Harvard Law School Library, Nürnberger Prozessakten: Emil Puhl, Aussage vom 2. November 1945, EC-436. Zeitzeugenquelle zu Aufbau, Reichsgarantie und Umfang des Mefo-Verfahrens.
  2. Bundesarchiv, Akten der Reichskanzlei: Richtlinien für die Rüstungsfinanzierung, 10. März 1938, Dokument 56. Zeitgenössischer Behördenbeleg zu zwölf Milliarden RM, Finanzierungsrisiken und Umstellung.
  3. Bundesarchiv: Besprechung im Reichsfinanzministerium vom 31. Januar 1938, Dokument 26. Zeitgenössischer Vermerk zur Ablösung des Mefo-Verfahrens.
  4. Fritz Blaich / bpb-Archiv: Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsverfassung im Dritten Reich, APuZ 8/1971. Historische Darstellung zur Preis- und Lohnlenkung. Maßgeblich sind der Beitrag und seine Quellenangaben.
  5. Harvard Law School Library: Emil Puhl, Aussage vom 8. November 1945, EC-438. Rückblick eines beteiligten Reichsbankdirektors auf Kreditexpansion und Risiken.

Quellenkritik: Puhl war selbst an der Reichsbankpolitik beteiligt. Seine nach Kriegsende abgegebenen Aussagen werden deshalb mit zeitgenössischen Akten verglichen. Die Überlieferung dokumentiert Finanzierungsentscheidungen; daraus abgeleitete gesellschaftliche Bewertungen werden als Schlussfolgerungen des Vereins kenntlich gemacht.

Bildnachweis: Historische Fotografie Bundesarchiv, Bild 183-H29131, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE. Die übrigen Bilder sind Symbolbilder aus der Vereinsmediathek und keine historischen Aufnahmen des Mefo-Verfahrens.

Wohn(T)Raum – Forschungs- und Bildungsinstitut für WohnKultur und LebensRaum. Prüfstand: 24. Oktober 2026.

[6] Hjalmar Schacht: Zur Stabilisierung der Mark (1927). Eigendarstellung eines Beteiligten, veröffentlicht bei German History in Documents and Images.

[7] Magnus Brechtken / Ingo Loose (Hrsg.): Von der Reichsbank zur Bundesbank (2024). Von der Deutschen Bundesbank finanzierte historische Untersuchung; zur Einordnung mit den verlinkten Akten und Beteiligtenaussagen abgeglichen.

Einleitung und Video ergänzt am 26. Oktober 2026.

Nach oben scrollen
← Hauptseite