WOHN(T)RAUM · WOHNRAUM UND GEMEINSCHAFT · FORSCHUNG
Georg Kropp und die gemeinschaftliche Selbsthilfe für Wohnraum
Wie gemeinsames Sparen den Weg zum Eigenheim erleichterte – und was wir daraus für nachvollziehbare Geldkreisläufe lernen können.
Eine Idee für ein eigenes Heim
Georg Kropp lebte von 1865 bis 1943. Er wollte Menschen mit wenig Geld den Weg zu einem eigenen Heim erleichtern. 1921 entstand der Verein „Gemeinschaft der Freunde“. Die Arbeit als Bausparkasse begann 1924. Die schwere Inflation von 1923 hatte den ersten Anlauf unterbrochen. Gründung und Wiederbeginn gehören deshalb zu unterschiedlichen Zeitpunkten. [Q38, Q39]
Die Quellen belegen Kropps sozialen Anspruch und das gemeinschaftliche Sparen. Für die historische Einordnung unterscheiden wir die Gründungsidee, tatsächlich angebotene Darlehensbedingungen und die heutigen Forschungsziele des Vereins.
Viele Beiträge ermöglichen ein erstes Bauvorhaben
Die Grundidee war einfach: Viele Menschen sparen regelmäßig in eine gemeinsame Kasse. Sobald genug Geld vorhanden ist, erhält eine Person die Mittel für ihr Bauvorhaben. Sie zahlt das Darlehen anschließend zurück. Ihre Rückzahlungen helfen dabei, das nächste Vorhaben zu finanzieren. So wird aus vielen einzelnen Sparanstrengungen eine organisierte Hilfe zur Selbsthilfe. [Q38, Q39]
Ein vereinfachtes Beispiel: Zehn Familien sparen jeweils 1.000 Euro. Zusammen haben sie 10.000 Euro. Dieser Betrag kann einem ersten Vorhaben zugeteilt werden. Danach fließen weitere Sparbeiträge und vereinbarte Rückzahlungen in die Kasse. Erst wenn wieder genug verfügbar ist, folgt die nächste Zuteilung. Das Beispiel erklärt den Geldfluss; es nennt keine heutigen Baukosten und verspricht keinen bestimmten Auszahlungstermin.
Gemeinschaftliche Regeln und tatsächliche Zinsbedingungen
Für den gemeinsamen Topf braucht es klare Regeln: Wer darf teilnehmen? Wie wird die Reihenfolge bestimmt? Welche Rückzahlungen sind nötig? Was geschieht, wenn jemand nicht mehr zahlen kann? Aus einer frühen Zuteilung entsteht zunächst auch eine Schuld gegenüber der Gemeinschaft. Das Heim ist dadurch weder sofort schuldenfrei noch automatisch vor einer Pfändung geschützt.
War dieses historische Modell vollkommen zinsfrei? Das lässt sich nicht pauschal behaupten. Eine Anzeige der Gemeinschaft der Freunde in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 2. September 1928 wirbt ausdrücklich mit Baugeld zu vier und fünf Prozent Zinsen. Die Selbstdarstellung beschreibt günstige Baufinanzierung, aber keinen allgemeinen Verzicht auf jeden Darlehenszins. Für andere Zeitpunkte sind die jeweiligen Verträge und Tarife zu prüfen. [Q40]
Was Kropps Beispiel für unsere Forschung bedeutet
Der belegte Kern bleibt wichtig: Menschen bündelten ihre eigenen Sparleistungen und finanzierten damit Wohnraum. Für unsere Forschung ist das ein praktisches Beispiel gemeinschaftlicher Organisation. Es beweist für sich allein noch keine vollständige Unabhängigkeit vom Finanzmarkt und keine Finanzierbarkeit eines ganzen Staatshaushalts.
Die Brücke zu unserer Euro-Rechnung ist der Rückfluss in eine gemeinsame Kasse. Die Regeln sind jedoch verschieden: Beim Bausparen fließen Sparbeiträge und Darlehensrückzahlungen zurück. Unser untersuchtes Modell teilt erfasste reguläre Bruttozahlungen in 90 Prozent für die Empfänger und zehn Prozent für gemeinsame Aufgaben auf. Diese Aufteilung ist eine eigene Modellregel. Sie hebt bestehende Zinsverträge nicht von selbst auf und beweist nicht, dass ruhendes Guthaben verschwinden muss.
Die Brücke zum untersuchten Euro-Modell
Das zusätzliche Grundeinkommen soll die wirtschaftliche Teilhabe jedes Menschen stärken. Die Modellrechnung setzt monatlich 1.500 Euro brutto an: 150 Euro Rückfluss und 1.350 Euro persönliche Auszahlung. Verlässliche Finanzierung und ein rechtlich wirksamer Pfändungsschutz sind Ziele, deren Umsetzung gesondert zu prüfen ist.
Kropps Beispiel stellt damit eine menschliche Frage in den Mittelpunkt: Wie können wir unsere Kräfte so zusammenlegen, dass aus der Lebensleistung vieler Menschen ein sicherer Lebensraum entsteht? Die Antwort braucht nachvollziehbare Regeln, verfügbare Mittel und Verantwortung gegenüber allen Beteiligten.
Geld darf niemals als Waffe zur Verhaltenskontrolle missbraucht werden!
Quellen und Prüfstand
- [Q38] Wüstenrot Stiftung. Über die Stiftung, Geschichte des Vereins: Gründung am 22. Juli 1921 und Aufnahme der Bausparkassenarbeit 1924. Institutionelle Darstellung der eigenen Geschichte. Eingesehen am 24.10.2026. Quelle öffnen
- [Q39] Christian Müller, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg. Bausparen macht glücklich. Die Entstehung der Bausparkasse Wüstenrot. Archivnachrichten 70/2025, Seiten 28–29. Darstellung anhand des überlieferten Unternehmensbestands. Eingesehen am 24.10.2026. Quelle öffnen
- [Q40] Gemeinschaft der Freunde, Wüstenrot. Zeitgenössische Anzeige „Jeder Familie ein Eigenheim“, Dresdner Neueste Nachrichten, 2. September 1928, Seite 14. Die Anzeige nennt Baugeld zu vier und fünf Prozent Zinsen; Werbeaussage der damaligen Organisation. Digitalisat der SLUB Dresden. Quelle öffnen
- [Q41] LEO-BW / Landesbibliographie Baden-Württemberg. Kropp, Georg. Biografische Angaben: 1. Dezember 1865 bis 21. Januar 1943. Eingesehen am 24.10.2026. Quelle öffnen
Die historischen Angaben werden mit zeitgenössischen Vertrags- und Werbeunterlagen abgeglichen. Die institutionellen Darstellungen von Stiftung und Bausparkasse werden als Darstellungen der eigenen Geschichte gelesen. Die Abbildungen sind Symbolbilder aus der Vereinsmediathek, keine Fotografien Georg Kropps.
Forschungsbeitrag von Wohn(T)Raum. Prüfstand: 24. Oktober 2026.