Geldschöpfung, Finanzkrisen und Österreichs Finanzmarkt

Ein Forschungsbericht von Wohn(T)Raum zu Stephan Schulmeister, Prof. Richard A. Werner und den Quellen der WU Wien und des Bundesministeriums für Finanzen. Stand: 26. Oktober 2026.

Forschungsprojekt Österreich: Zahlungsflüsse, Staatsausgaben und BargeldschutzTransaktionsabgabe

Stephan Schulmeister und die systemischen Ursachen der Finanzkrise

Warum wurde aus Problemen mit amerikanischen Immobilienkrediten eine weltweite Krise? Stephan Schulmeister geht über die Suche nach einzelnen Schuldigen hinaus. In seinen Arbeiten von 2009 untersucht er, wie sich über Jahre ein Krisenpotenzial aufbaute. Die Hypothekenkrise war in dieser Erklärung der Auslöser; die Voraussetzungen lagen tiefer. Q62, Q63

Die Regeln lenken das Gewinnstreben

Schulmeister unterscheidet Realkapitalismus und Finanzkapitalismus. Im ersten Fall versprechen Investitionen in Betriebe, Maschinen und Beschäftigung attraktive Erträge. Im zweiten gewinnen Finanzanlagen und Spekulation an Bedeutung. Seine These lautet: Veränderte Spielregeln verschieben das Gewinnstreben. Starke Schwankungen von Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Börsenkursen erschweren dabei die Planung in der Realwirtschaft. Q62

Wenn steigende Vermögenspreise wieder fallen

Steigen Häuser- und Aktienpreise, wachsen zunächst die rechnerischen Vermögen. Fallen die Preise anschließend stark, bleiben zuvor eingegangene Schulden bestehen. Haushalte und Betriebe schränken ihre Ausgaben ein; Banken werden vorsichtiger bei Krediten. So verstärken sich finanzielle Verluste und die Schwäche der Wirtschaft gegenseitig. Schulmeister untersucht diese Verbindung als einen Prozess, nicht als ein einzelnes Ereignis. Q63

Nicht der Zins allein erklärt die Krise

Für Schulmeister entscheidet auch die Verwendung des Geldes. In seiner Untersuchung des Vollgeldsystems von 2016 hält er die Abschaffung privater Kreditgeldschöpfung nicht für eine ausreichende Antwort auf Finanzspekulation. Er warnt vor einer übermächtigen Zentralbank und vor einer Schwächung der Finanzierung realer Investitionen. Sein Ansatz fragt deshalb nach den Anreizen, Regeln und Machtverhältnissen innerhalb des Geldsystems. Q64

Die WU Wien als Quellenort

Auf der Website der Wirtschaftsuniversität Wien sind Schulmeisters Unterlagen „Die Finanzmarktkrisen und ihre Folgen“ veröffentlicht. Sie stammen vom 4. Wiener Wirtschaftsdidaktik-Kongress am 21. November 2014. Darin vergleicht er die Interessen von Arbeit, Realkapital und Finanzkapital und stellt Finanzmarktvolumina der Wirtschaftsleistung gegenüber. Die Unterlagen erweitern unsere Quellensammlung um eine öffentlich zugängliche Darstellung für die wirtschaftliche Bildung. Q68

Für unsere Forschung ergibt sich daraus eine konkrete Frage: Welche Finanzierungsregeln stärken Produktion, Versorgung und die wirtschaftliche Sicherheit der Menschen? Der Blick richtet sich damit auch auf die Wege, auf denen Geld zwischen Haushalten, Betrieben, Finanzmärkten und öffentlicher Hand fließt.

Prof Richard A Werner und die Entstehung von Bankgeld

Woher kommt das Geld, das eine Bank als Kredit vergibt? Prof. Richard A. Werner hat diese Frage anhand tatsächlicher Bankbuchungen untersucht. Seine Arbeit von 2014 dokumentiert einen Test bei der Raiffeisenbank Wildenberg. Das Ergebnis stützt die Kreditgeldtheorie: Die untersuchte Bank schrieb bei der Kreditvergabe neues Kontogeld gut, statt nur einen bereits vorhandenen Betrag eines anderen Sparers weiterzureichen. Q65

Zwei Seiten derselben Buchung

Ein einfaches Beispiel hilft: Eine Bank vergibt einen Kredit über 10.000 Euro und schreibt den Betrag dem Konto des Kreditnehmers gut. Gleichzeitig verbucht sie einen Anspruch auf Rückzahlung. Der Kreditnehmer erhält ein Guthaben und übernimmt eine Schuld. Die Bank erhält eine Forderung und schuldet dem Kunden die Bereitstellung des Guthabens. Das Beispiel erklärt den Buchungsvorgang; es ist kein schuldenfreies Geschenk. Q65, Q66

Ein kontrollierter zweiter Test

Werners 2016 veröffentlichte Folgearbeit enthält einen weiteren Test: In der Banksoftware wurde ein Kredit von 200.000 Euro zu einem abgeschlossenen Rechnungsstand hinzugebucht. Andere laufende Kundengeschäfte sollten das Ergebnis dadurch nicht überlagern. Die ausgewiesenen Kreditforderungen und Kundeneinlagen stiegen jeweils um denselben Betrag. Der Versuch war eine kontrollierte Testbuchung, keine zweite gleichartige Auszahlung im laufenden Tagesgeschäft. Q66

Entscheidend ist auch die Richtung des Kredits

Werner unterscheidet bei der Untersuchung von Kreditwirkungen nach dessen Verwendung. Ein Kredit für zusätzliche Produktion erfüllt eine andere wirtschaftliche Funktion als ein Kredit zum Kauf bereits vorhandener Vermögenswerte. In seiner Forschung zur Kreditverteilung steht deshalb nicht nur die Geldmenge im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wer Kredit erhält und wofür er eingesetzt wird. Seine Arbeit an örtlichen Gemeinschaftsbanken gehört zu diesem Ansatz. Q66, Q67

Die Beobachtung der Geldschöpfung bedeutet nicht, dass eine Bank ohne Grenzen oder ohne Risiken Kredite vergeben darf. Rückzahlung, Liquidität, Verluste und regulatorische Anforderungen bleiben eigenständige Fragen. Für die Vereinsforschung ist der konkrete Befund wichtig: Eine Finanzierung lässt sich erst verstehen, wenn ihre Buchungen und Verpflichtungen sichtbar werden.

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Was beide Ansätze für unsere Forschung beitragen

Schulmeister untersucht die wirtschaftlichen Spielregeln und die Entstehung von Krisen. Werner untersucht die Rolle der Banken bei der Schaffung und Verteilung von Kreditgeld. Beide Perspektiven führen zur Frage, wie finanzielle Entscheidungen mit Arbeit, Versorgung und der Verteilung von Möglichkeiten verbunden sind. Daraus folgt ein Forschungsauftrag: Die Geldwege und ihre Wirkungen nachvollziehen.

Vom Kontoeintrag zum Nutzen im Alltag

Eine Kontogutschrift baut noch kein Haus und erzeugt noch kein Lebensmittel. Sie eröffnet Verfügungsmöglichkeiten, denen Arbeit, Material, Energie und vertragliche Verpflichtungen gegenüberstehen. Deshalb betrachten wir die Finanzierung gemeinsamer Aufgaben zusammen mit ihren realen Grundlagen: Menschen, Betrieben und verfügbaren Leistungen.

Unsere Euro-Untersuchung stellt dazu eigene Fragen: Wer leistet eine Zahlung? Welcher Betrag erreicht den Empfänger? Welcher Anteil fließt an die Gemeinschaft? Welche Ansprüche und Pflichten entstehen? Die zehnprozentige Aufteilung und das zusätzliche Grundeinkommen sind Regeln unseres Forschungsmodells. Sie werden Schulmeister und Werner nicht als eigene Vorschläge zugeschrieben.

Originalquellen und offengelegte Beziehungen

Schulmeisters Krisenstudie von 2009 erschien in einer Reihe der Arbeiterkammer Wien; seine Vollgeldkritik wurde als WIFO Working Paper veröffentlicht. Werner arbeitete für die Bankversuche mit der Raiffeisenbank Wildenberg zusammen. Die Bank stellte Unterlagen, Personal und technische Zugänge bereit. Seine eigene Biografie nennt zudem Tätigkeiten in der Finanzwirtschaft und sein Engagement für Gemeinschaftsbanken. Diese Beziehungen gehören zur Einordnung der Quellen; aus ihnen allein folgt kein Nachweis einer Einflussnahme auf Ergebnisse. Q63–Q67

Der Maßstab bleibt die Lebenswirklichkeit: Dienen Finanzierungsregeln der Versorgung und Selbstbestimmung der Menschen? Unsere Antwort muss sich an offenen Daten, verständlichen Rechnungen und überprüfbaren Abläufen bewähren. Geld darf niemals als Waffe zur Verhaltenskontrolle missbraucht werden.

Forschungsprojekt Österreich: Zahlungsflüsse, Staatsausgaben und BargeldschutzTransaktionsabgabe

Österreichs Finanzmarkt: Regeln, Zuständigkeiten und Geldwege

Die Forschungsfragen haben auch eine konkrete österreichische Seite. Das Bundesministerium für Finanzen beschreibt auf seiner Themenseite „Finanzmarkt“ den Auftrag, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die volkswirtschaftliche Funktion der Finanzmärkte zu gestalten. Genannt werden die Finanzierung von Investitionen sowie ein transparenter und fairer Austausch zwischen Anlegern und Kapitalnehmern. Q69

Vernetzung schafft Möglichkeiten und Risiken

Das BMF nennt zwei Folgen der internationalen Verflechtung: Kapital lässt sich über größere Märkte verteilen; zugleich steigt durch die Vernetzung die Störanfälligkeit. Diese behördliche Darstellung berührt Schulmeisters Frage nach systemischen Krisenursachen. Für unsere Forschung ergibt sich daraus die Aufgabe, den Weg der Mittel vom Geldgeber bis zur tatsächlichen Verwendung nachzuzeichnen. Q69

Wer kontrolliert welche Vorgänge?

Auf der Unterseite „Finanzmarktaufsicht“ erläutert das BMF die Aufgaben von FMA und OeNB sowie die europäischen Aufsichtsstrukturen. Die FMA wird als unabhängige, weisungsfreie Aufsichtsbehörde beschrieben. Das Ministerium unterscheidet seine Rechtsaufsicht über die FMA von deren fachlichen Aufsichtsaufgaben. Die Darstellung nennt außerdem die Finanzierung der Aufsicht vornehmlich durch beaufsichtigte Unternehmen. Die Seite trägt den Aktualisierungsstand 29. März 2021; für heutige Einzelfälle sind die aktuellen Zuständigkeiten und Finanzierungszahlen gesondert zu prüfen. Q70

Der Anschluss an die Vereinsforschung

Damit stehen drei Untersuchungsebenen nebeneinander: Schulmeister untersucht die Spielregeln und Krisendynamik; Werner die Buchung und Verwendung von Bankkrediten; die BMF-Quellen beschreiben staatliche Aufgaben und Aufsichtsstrukturen. Unsere Fragen lauten: Wer stellt Mittel bereit? Wer erhält sie? Wofür werden sie verwendet? Wer trägt Kosten und Verluste? Die BMF-Seiten dienen als institutionelle Quellen für diese Prüfung. Das untersuchte Euro-Modell bleibt ein eigenständiges Forschungsprojekt des Vereins.

Originalquellen zum Weiterlesen

  1. [Q62] Stephan Schulmeister, Der „Aufbau“ der großen Krise durch „business as usual“ auf Finanzmärkten. Schriftliche Fassung des Vortrags bei der Keynes-Gesellschaft, Wien, 16./17.02.2009. Insbesondere Seiten 1–6. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  2. [Q63] Stephan Schulmeister, Die neue Weltwirtschaftskrise – Ursachen, Folgen, Gegenstrategien. Materialien zu Wirtschaft und Gesellschaft 106, Arbeiterkammer Wien, Mai 2009. Kapitel 2 und 3. Herausgeberschaft und Position des Autors unterscheiden. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  3. [Q64] Stephan Schulmeister, Das „Vollgeldsystem“. Notwendige Reform oder gefährliches Allheilmittel? WIFO Working Papers 518, Mai 2016. Kritik an Krisendiagnosen und Reformwirkungen; keine Untersuchung unseres Vereinsmodells. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  4. [Q65] Richard A. Werner, Can banks individually create money out of nothing? The theories and the empirical evidence. International Review of Financial Analysis 36 (2014), Seiten 1–19, DOI 10.1016/j.irfa.2014.07.015. Empirischer Bankversuch; Kooperation mit Raiffeisenbank Wildenberg. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  5. [Q66] Richard A. Werner, A lost century in economics: Three theories of banking and the conclusive evidence. International Review of Financial Analysis 46 (2016), Seiten 361–379, DOI 10.1016/j.irfa.2015.08.014. Kontrollierte Testbuchung auf Basis der Jahresrechnung 2013; insbesondere Abschnitte 3 und 4. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  6. [Q67] Richard A. Werner, eigene Biografie und Darstellung des Forschungsansatzes zur Kreditverwendung sowie des Engagements für Gemeinschaftsbanken. Autorenquelle zu beruflichen und institutionellen Beziehungen. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  7. [Q68] Stephan Schulmeister, Die Finanzmarktkrisen und ihre Folgen. Standortbestimmung, Ausblick, Gegenstrategien. Referat beim 4. Wiener Wirtschaftsdidaktik-Kongress am 21.11.2014; Folienstand 25.11.2014. Auf der Website der WU Wirtschaftsuniversität Wien veröffentlichte Kongressunterlagen, insbesondere Folien 2–4 und 14. Originalquelle bei der WU Wien öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  8. [Q69] Bundesministerium für Finanzen, Finanzmarkt. Institutionelle Darstellung zu Rahmenbedingungen, Finanzierung, Transparenz und Vernetzungsrisiken. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen
  9. [Q70] Bundesministerium für Finanzen, Finanzmarktaufsicht. Aufgaben und Finanzierung der Aufsicht; Seitenstand 29.03.2021. Historischen Stand bei heutigen Einzelfällen beachten. Originalquelle öffnen (Abgerufen am 26.10.2026.) Originalquelle öffnen

Das vollständige Forschungsbuch

Natürlich Denken – Wege aus dem Nebel. Erweiterte Fassung vom 26. Oktober 2026, 61 Seiten. Die neuen Abschnitte finden Sie auf den Seiten 24–27.

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